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 Betreff des Beitrags: Identität verschleiern
Ungelesener BeitragVerfasst: So 23.01.2011 20:07 
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In meiner aktuellen Geschichte hat eine Hauptcharaktere eine Affäre mit einem Mann, dessen Identität ich noch im Dunklen lassen möchte. Ich habe mir gedacht, dass ich dazu zwar Details zu ihm erwähne, jedoch ihn immer nur mit "er" betitle, sobald die beiden miteinander eine Szene haben. Eben so, ohne seinen Namen zu nennen.

Die Idee habe ich mir von Cassandra Cla(i)re abgeschaut, die für Draco Veritas das gleiche Schema verwendet hat.

Zitat:
„Ich dachte, ich hätte jemanden kommen gehört“, sagte sie. Sie entwand sich Rons Griff und stand auf. Er legte den Kopf in den Nacken, und als sie den Raum durchquerte und nervös durch das vergitterte Oberlicht in der Tür blickte, konnte sie seine blauen Augen auf ihrem Rücken spüren. Vor der Tür erstreckte sich der leere Flur in beide Richtungen. Es war niemand zu sehen.

„Du machst dir zu viele Sorgen“, sagte Ron. Er saß ohne Hemd, nur mit Jeans und Turnschuhen bekleidet auf dem Boden. Seine Gryffindor-Quidditchrobe lag in einem unordentlichen Haufen neben ihm, wo sie beide eben gelegen hatten. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen. „Vielleicht sollte ich gehen“, sagte er. „Ginny -“

„Du hast gesagt, sie würden dich nicht einmal in die Krankenstation reinlassen“, sagte sie. „Ich dachte, sie wäre bald wieder in Ordnung?“

„Ich weiß. Aber ich fühle mich irgendwie verantwortlich.“

„Aber das bist du nicht.“ Sie kam durch den Raum zurück, setzte sich neben ihn und schlang die Arme um ihn. „Und du sagst, ich mache mir zu viele Sorgen.“

Er wand sich in ihrer Umarmung und sah sie an. „Wenn wir erwischt werden“, sagte er gepresst. „Wenn jemand das mit uns beiden rausfindet – was würdest du tun?“

„Ron, ich ...“

„Wie würde deine Wahl ausfallen?“

„Es wäre genau so schlimm für dich, wenn man uns erwischen würde“, sagte sie in gemessenem Tonfall, „wie für mich.“

„Schlimmer“, sagte er. Seine Stimmeklang etwas hart. Sie spürte, dass er wahrscheinlich versuchte, ihr wehzutun, weil er selbst verletzt war.

Sie griff hoch und nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Ich liebe dich“, sagte sie.

Er blinzelte. Das hatte sie vorher noch nie zu ihm gesagt. „Wirklich?“

Sie nickte. „Ich dachte, du solltest es wissen.“

Einen Moment lang sah er immer noch erschrocken aus, dann leuchtete sein Gesicht auf und er griff nach ihr, um sie an sich zu ziehen. „Ich dachte, du würdest nie –“

„Schhhhhh.“ Sie küsste ihn.

„Ich –“

„Ich weiß.“ Sie legte ihre Finger auf seine Lippen. „Du brauchst es nicht zu sagen. Ich weiß, dass du es tust.“


Ich fand eigentlich, dass CC das Verschleiern in DV ganz gut gelang, doch bei mir habe ich Zweifel. Ich fühle mich nicht wohl dabei, es sieht alles sehr holprig aus und eigentlich habe ich so etwas noch nie „professionell“ gesehen, dass der Name und die genauere Beschreibung des Charaktere vollkommen ignoriert wird.

Mein Problem ist nämlich auch, dass ich grundsätzlich in der Ich-Form erzähle und Nebencharaktere in der 3. Person erzählen lasse. Ich möchte jetzt nicht aus der Sicht der geheimen Affäre in Ich wechseln, wie das CC macht, weil das sehr verwirrend wäre - jedoch habe das Gefühl, dass es so besser gemacht wäre. xD
Dabei komme ich eben nur mit meiner Protagonistin zu sehr in Konflikt. :(

Ich habe mir auch schon gedacht, ob die die Szenen der Affäre zwischen den beiden einfach rausnehme und stattdessen immer Andeutungen mache. Eine davon wäre nur in etwa wichtig. Allerdings möchte ich dann nicht auch irgendwann sagen: „Hey, zwischen den beiden ist etwas“ - ohne das es zuvor richtig in der Geschichte spürbar war, wisst ihr?

Wie seht ihr denn so etwas? Kann eine solche Verschleierung denn wirklich „überlebensfähig“ sein bzw. wie kann man das richtig bewerkstelligen? Wie fühlt sich denn der Leser dabei und ist das nicht irgendwie irritierend?

In Filmen ist so was sehr einfach, dann wird das Gesicht immer ausgeblendet, doch beim Schreiben fühlt sich das unglaublich falsch an.

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 Betreff des Beitrags: Re: Identität verschleiern
Ungelesener BeitragVerfasst: Mo 24.01.2011 00:13 
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Ich verstehe dein Problem, denn ich habe ein sehr ähnliches Problem in meiner eigenen Geschichte. Allerdings geht es da um die wahre Herkunft eines Charakters, die erst nach und nach ans Licht tritt. Das kniffelige daran ist, dass ich lange Zeit nur Hinweise geben will, die auf beide weiblichen Charaktere der Hauptclique zutreffen, bevor ich dann einen deutlichen Hinweis gebe, der scheinbar nur auf eine der beiden zutrifft (auf die Falsche nämlich), bevor ich es dann ganz kurz vor Schluß nochmal komplett rumdrehe. Also eine Verschleierung im großen Stil und in etwas anderer Art als bei dir, aber eben auch eine Verschleierung. Mein Glück ist dabei allerdings, dass ich nicht in der Ich-Form schreibe und auch eigentlich keinen Charakter als komplette Nebelfigur darstelle, und dadurch mehr Freiheiten bei der Umsetzung habe.

In deinem Fall ist es durch die Ich-Form schon etwas schwieriger. Hast du es denn schonmal versucht, deinen verschleierten Charakter beim Schreiben mit dem Namen zu schreiben und dann später den Namen wieder durch das "Er" auszutauschen? Vielleicht fühlt es sich dann beim Schreiben nicht so extrem falsch und holprig an. Und vielleicht kannst du auch überlegen, wie wichtig die "verschleierten" Szenen wirklich sind, und sie komplett weglassen und nur nebenbei als winzige Rückschau nebenbei zu erwähnen (Mit einem verträumten Lächeln dachte XY an die letzte Nacht zurück. ER war wieder einmal ein wunderbarer Liebhaber gewesen).

Oder du versuchst, die "verschleierten" Szenen so kurz wie möglich zu halten. Halt nur so wie ein kurzes, plötzliches Aufblitzen. Vergleichbar mit einer Mini-Szene im Film, die man erst wahrnimmt, wenn sie eigentlich schon vorbei ist. Sowas wie "Hey, Moment mal. Das war doch wieder ... verdammt, wieder zu kurz, als dass ich ihn erkennen konnte." Halt so, als würde man mit dem Bus an der Szene vorbei fahren und nur ganz kurz was sehen. Nur ein paar kurze Sätze bzw Zeilen, wie etwa:

Zitat:
"Die Sonne war gerade aufgegangen, als XY die Haustür öffnete und den Blick über den kleinen, gepflegten Garten schweifen ließ. Tautropfen glitzerten noch auf dem Rasen und einige Vögel flatterten ausgelassen in der steinernen Vogeltränke herum. Auf der gegenüber liegenden Starßenseite stellte ein junges Mädchen eine kleine Werbetafel auf den Bürgersteig und ging dann wieder zurück in ihren kleinen Kiosk, wo sie kurz darauf die Rolläden hochzog. XY lächelte leicht in sich hinein und warf schließlich einen letzten Blick über die Schulter zurück ins kleine Motelzimmer, wo sie die letzte Nacht verbracht, aber kaum geschlafen hatte. 'Ich bin dann weg.' Seine Antwort kam aus dem dämmrigen Halbdunkel des winzigen Badezimmers, dessen Tür halb offen stand. 'Ja'. 'OK' Mehr war nicht zu sagen, denn sie wußten beide, dass dieses einsame Ja wesentlich mehr bedeutete. Nämlich 'Ja, sobald ich meiner Frau genug Sand in die Augen gestreut habe, dass sie mir glaubt, dass ich im Büro übernachtet habe.' Und 'Ja, sobald ich meinen Sohn bei seinem Fußballspiel angefeuert habe.' Und "Ja, sobald ich meine Tochter zur Geburtstagsparty ihrer besten Freundin gefahren habe.' Soviele 'Ja, sobalds' dass sie kaum noch zählbar waren, aber trotzdem sprachen sie sie nie aus. Denn ehrlich, was hätte das schon gebracht, außer Streit und Tränen? Und dazu waren ihnen ihre kurzen gemeinsamen Stunden einfach zu schade."


Auf diese Weise behältst du den Fokus auf deinem Hauptcharakter, hast IHN und die Affäre aber trotzdem beiläufig erwähnt. ER ist allerdings nicht wirklich im Bild, sondern irgendwo außerhalb der Szene, genau wie das, was zwischen den beiden passiert. Die Frage ist halt, ob sich das mit deinem Plot vereinbaren läßt.

Ansonsten halt, wie oben schon erwähnt, mit dem Namen schreiben und ihn später austauschen. Ich habe es schon ähnlich versucht, komme aber selber so nicht gut klar. Ich kann dieses "Er", "Sie" schreiben eigentlich ganz gut, wenn ich wirklich will ("Unter einer Decke" bzw das erste Kapitel von "Das Frühjahr der Hoffnung" auf ff.net sind solche Beispiele). Aber vielleicht wäre es ja für dich eine Möglichkeit, dich zumindest beim Schreiben ein wenig selber auszutricksen.

Als Leser kann ich nur sagen, dass ich zumindest hin und wieder ein paar kleine Hinweise brauche, wenn diese verschleierte Affäre bzw diese irgendwann auffliegende Affäre irgendwann zu einem Schlüsselmoment wird. So ganz aus dem Blauen heraus darf das nicht kommen, wenn einer der beiden der Hauptcharakter der Geschichte ist. Allerdings brauche ich die Affären-Szenen bzw die "verschleierten" Szenen selber nicht unbedingt. Es sei denn, darin passiert ein wichtiger Schlüsselmoment der Gesamtgeschichte. Dann ist das wieder was anderes. Es sei denn, du erklärst später plausibel, warum dieser Schlüsselmoment Off-Camera passierte. Wie z.B., sie haben bei einem heimlichen Treffen einen Mord beobachtet und das kommt erst beim Polizeiverhör bzw im Gerichtsverfahren stückchenweise raus. Dann war zwar der Schlüsselmoment Off-Camera, aber die unausweichlichen Folgen definitiv On-Camera. Aber in diesem Fall ist halt auch nicht der Mord an sich das eigentlich Wichtige, sondern die Aufklärung. Dann funktioniert das.

Verstehst du, was ich meine? Du mußt dir über die Priorität der Szene klar sein, dann weißt du auch, ob du sie weglassen bzw nur erwähnen kannst, oder ob du sie zwingend zeigen mußt, weil sonst der Plot nicht funktioniert. Und wenn es wirklich ersteres ist, dann reicht auch aus, dass ER nur ein Schatten im Hintergrund bzw eine Nebelfigur im Augenwinkel ist. Oder dass ER nur in Erinnerungen bzw Gedanken des Hauptcharakters auftaucht. Oder als SMS-Absender, Anrufer, EMail Versender, Chatpartner mit Phantasiename. Es gibt so viele Möglichkeiten, IHN nur passiv auftauchen zu lassen, wenn es vom Plot her funktioniert. Du mußt halt nur die richtige Möglichkeit/en für dich finden. Experimentiere einfach ein wenig. Das obige Beispiel funktioniert nämlich auch so:

Zitat:
Die Ampel sprang auf Rot und XY nutzte die Gelegenheit, eine schnelle SMS zu verschicken. Letzte Nacht war schön. Ich liebe dich. Sie warf das Handy gerade rechtzeitig weg, um in den 1. Gang zu schalten, den Blinker zu setzen und wieder anzufahren, bevor die Ampel wieder auf Grün umsprang. Ein Piepton vom Beifahrersitz kündigte die Ankunft einer SMS an, was ein verträumtes Lächeln auf ihr Gesicht zauberte. Dass er so schnell antwortete zeigte ihr, dass auch er gerade lieber bei ihr wäre, als bei seiner Frau am Frühstückstisch. Sie angelte blind nach ihrem Handy und warf einen schnellen Blick auf das Display. Ich dich auch. Wäre jetzt viel lieber bei dir. Sie seuftze. Ja, das wäre ihr auch viel lieber. Doch während er heute Nachmittag mit seiner Frau zusammen seinem Sohn beim Fußballspielen anfeuern würde, würde sie zuhause sitzen. Alleine. Mit nichts anderem als einer kitschigen Low-Budget-Schnulze im Fernsehen und einer Schüssel Popcorn auf dem Schoss. Und vielleicht, wenn sie ganz viel Glück hatte, eine kurze heimlich getippte SMS von ihm. Auf Dauer konnte es so nicht weitergehen. Soviel wußten sie beide. Doch trotzdem war noch keiner von ihnen bereit, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Sie konnte sich einfach nicht von ihm trennen. Und er wollte seine Kinder nicht aufgeben, auch wenn er seine Frau schon lange nicht mehr liebte.


Siehst du? So ist ER wieder als Schatten durchs Bild gehuscht, ohne dass er wirklich in Erscheinung getreten ist, aber dennoch hat der Leser eine Menge über ihn erfahren. Und das alles nur durch eine SMS und die Gedanken des Hauptcharakters. Er muß also nicht wirklich zwingend im Bild auftauchen. Wie gesagt, du mußt nur deine Möglichkeit der Darstellung finden. Und vielleicht auch die holprige Szene mal einige Tage oder Wochen ignorieren, bevor du sie nochmal liest. Meistens klingt sie nach einer Weile gar nicht mehr so holprig, sondern nur in dem Moment, wo man gedanklich viel zu tief in der Szene drin steckt und als Autor mehr sieht, als man eigentlich schreiben will, und es deshalb als holprig empfindet. Mit der Zeit werden die Ecken und Kanten weicher und die Ränder der Szene werden leicht abgeblendet, sodass man nicht mehr so extrem viel von dem "sieht", was man in der Szene nicht mehr beschrieben hat. Ich hoffe, du verstehst, wie ich das meine.

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 Betreff des Beitrags: Re: Identität verschleiern
Ungelesener BeitragVerfasst: So 30.01.2011 17:45 
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So, ich hab jetzt ein wenig den Kopf frei zum Antworten. Zunächst mal ein großes Dank für deine ausführliche Antwort, Kit! :D

KitKat2006 hat geschrieben:
Ich verstehe dein Problem, denn ich habe ein sehr ähnliches Problem in meiner eigenen Geschichte. Allerdings geht es da um die wahre Herkunft eines Charakters, die erst nach und nach ans Licht tritt. Das kniffelige daran ist, dass ich lange Zeit nur Hinweise geben will, die auf beide weiblichen Charaktere der Hauptclique zutreffen, bevor ich dann einen deutlichen Hinweis gebe, der scheinbar nur auf eine der beiden zutrifft (auf die Falsche nämlich), bevor ich es dann ganz kurz vor Schluß nochmal komplett rumdrehe. Also eine Verschleierung im großen Stil und in etwas anderer Art als bei dir, aber eben auch eine Verschleierung. Mein Glück ist dabei allerdings, dass ich nicht in der Ich-Form schreibe und auch eigentlich keinen Charakter als komplette Nebelfigur darstelle, und dadurch mehr Freiheiten bei der Umsetzung habe.


Das klingt wirklich klasse. :)

Ich liebe dieser Überraschungen am Ende in den Geschichten immer. Oftmals kann man es als Leser verwirrend empfinden, aber ich der Meinung, dass es der Autor tausendmal schwerer hat - obwohl er die Wahrheit kennt. Ich wünsch dir also ganz viel Glück, dass du das ohne große Probleme hinbekommst und nicht durcheinander geräts oder was auch immer. :)

KitKat2006 hat geschrieben:
In deinem Fall ist es durch die Ich-Form schon etwas schwieriger. Hast du es denn schonmal versucht, deinen verschleierten Charakter beim Schreiben mit dem Namen zu schreiben und dann später den Namen wieder durch das "Er" auszutauschen? Vielleicht fühlt es sich dann beim Schreiben nicht so extrem falsch und holprig an. Und vielleicht kannst du auch überlegen, wie wichtig die "verschleierten" Szenen wirklich sind, und sie komplett weglassen und nur nebenbei als winzige Rückschau nebenbei zu erwähnen (Mit einem verträumten Lächeln dachte XY an die letzte Nacht zurück. ER war wieder einmal ein wunderbarer Liebhaber gewesen).


Weißt du, was das absolut idiotische an meinem ganzen Problem ist? Zu Beginn habe ich gar nicht aus der Sicht meiner Protagonistin in der Ich-Form geschrieben. Ich saß fest, wusste mal wieder nicht weiter und war verzweifelt, also habe ich einfach ausprobiert und habe alles in Ich umgeschrieben. Jetzt klappts mit meiner Hänger, aber die Unsicherheit ist jetzt da. xD

Ich habe auch schon darüber gedacht diese Szenen wegzulassen, aber wie ich schon gesagt habe, weil ich nicht am Ende dastehen und sagen: "So, das ist jetzt so, die beiden haben was miteinander."
Das mit der Erinnerunggeschichte ist allerdings eine gute Sache. Da müsste ich mir etwas für die Umsetzung überlegen ...

Ich habe mir auch schon überlegt, ob ich meinem Charaktere einfach seine Identität "lasse" und der Leser von Anfang an wissen soll, dass das der ist. Allerdings muss ich mir dann was überlegen, damit niemand so schnell darauf kommt, dass er der Antagonist ist.
Hm ... das klingt nach noch mehr Charakteren und nach einem noch größeren Chaos. xD

KitKat2006 hat geschrieben:
Oder du versuchst, die "verschleierten" Szenen so kurz wie möglich zu halten. Halt nur so wie ein kurzes, plötzliches Aufblitzen. Vergleichbar mit einer Mini-Szene im Film, die man erst wahrnimmt, wenn sie eigentlich schon vorbei ist. Sowas wie "Hey, Moment mal. Das war doch wieder ... verdammt, wieder zu kurz, als dass ich ihn erkennen konnte." Halt so, als würde man mit dem Bus an der Szene vorbei fahren und nur ganz kurz was sehen. Nur ein paar kurze Sätze bzw Zeilen, wie etwa:

Zitat:
"Die Sonne war gerade aufgegangen, als XY die Haustür öffnete und den Blick über den kleinen, gepflegten Garten schweifen ließ. Tautropfen glitzerten noch auf dem Rasen und einige Vögel flatterten ausgelassen in der steinernen Vogeltränke herum. Auf der gegenüber liegenden Starßenseite stellte ein junges Mädchen eine kleine Werbetafel auf den Bürgersteig und ging dann wieder zurück in ihren kleinen Kiosk, wo sie kurz darauf die Rolläden hochzog. XY lächelte leicht in sich hinein und warf schließlich einen letzten Blick über die Schulter zurück ins kleine Motelzimmer, wo sie die letzte Nacht verbracht, aber kaum geschlafen hatte. 'Ich bin dann weg.' Seine Antwort kam aus dem dämmrigen Halbdunkel des winzigen Badezimmers, dessen Tür halb offen stand. 'Ja'. 'OK' Mehr war nicht zu sagen, denn sie wußten beide, dass dieses einsame Ja wesentlich mehr bedeutete. Nämlich 'Ja, sobald ich meiner Frau genug Sand in die Augen gestreut habe, dass sie mir glaubt, dass ich im Büro übernachtet habe.' Und 'Ja, sobald ich meinen Sohn bei seinem Fußballspiel angefeuert habe.' Und "Ja, sobald ich meine Tochter zur Geburtstagsparty ihrer besten Freundin gefahren habe.' Soviele 'Ja, sobalds' dass sie kaum noch zählbar waren, aber trotzdem sprachen sie sie nie aus. Denn ehrlich, was hätte das schon gebracht, außer Streit und Tränen? Und dazu waren ihnen ihre kurzen gemeinsamen Stunden einfach zu schade."


Auf diese Weise behältst du den Fokus auf deinem Hauptcharakter, hast IHN und die Affäre aber trotzdem beiläufig erwähnt. ER ist allerdings nicht wirklich im Bild, sondern irgendwo außerhalb der Szene, genau wie das, was zwischen den beiden passiert. Die Frage ist halt, ob sich das mit deinem Plot vereinbaren läßt.


Das ist eine wirklich geniale Idee und echt clever. Im Grunde sind die Szenen zwar Dialoge, aber die Informationen, die man ihnen entnehmen kann, kann ich vielleicht auch irgendwie anders unterbringen. Daran werd ich mich die nächsten Tage wahrscheinlich versuchen! :)


KitKat2006 hat geschrieben:
Als Leser kann ich nur sagen, dass ich zumindest hin und wieder ein paar kleine Hinweise brauche, wenn diese verschleierte Affäre bzw diese irgendwann auffliegende Affäre irgendwann zu einem Schlüsselmoment wird. So ganz aus dem Blauen heraus darf das nicht kommen, wenn einer der beiden der Hauptcharakter der Geschichte ist. Allerdings brauche ich die Affären-Szenen bzw die "verschleierten" Szenen selber nicht unbedingt. Es sei denn, darin passiert ein wichtiger Schlüsselmoment der Gesamtgeschichte. Dann ist das wieder was anderes. Es sei denn, du erklärst später plausibel, warum dieser Schlüsselmoment Off-Camera passierte. Wie z.B., sie haben bei einem heimlichen Treffen einen Mord beobachtet und das kommt erst beim Polizeiverhör bzw im Gerichtsverfahren stückchenweise raus. Dann war zwar der Schlüsselmoment Off-Camera, aber die unausweichlichen Folgen definitiv On-Camera. Aber in diesem Fall ist halt auch nicht der Mord an sich das eigentlich Wichtige, sondern die Aufklärung. Dann funktioniert das.

Verstehst du, was ich meine? Du mußt dir über die Priorität der Szene klar sein, dann weißt du auch, ob du sie weglassen bzw nur erwähnen kannst, oder ob du sie zwingend zeigen mußt, weil sonst der Plot nicht funktioniert. Und wenn es wirklich ersteres ist, dann reicht auch aus, dass ER nur ein Schatten im Hintergrund bzw eine Nebelfigur im Augenwinkel ist. Oder dass ER nur in Erinnerungen bzw Gedanken des Hauptcharakters auftaucht. Oder als SMS-Absender, Anrufer, EMail Versender, Chatpartner mit Phantasiename. Es gibt so viele Möglichkeiten, IHN nur passiv auftauchen zu lassen, wenn es vom Plot her funktioniert. Du mußt halt nur die richtige Möglichkeit/en für dich finden. Experimentiere einfach ein wenig. Das obige Beispiel funktioniert nämlich auch so:

Zitat:
Die Ampel sprang auf Rot und XY nutzte die Gelegenheit, eine schnelle SMS zu verschicken. Letzte Nacht war schön. Ich liebe dich. Sie warf das Handy gerade rechtzeitig weg, um in den 1. Gang zu schalten, den Blinker zu setzen und wieder anzufahren, bevor die Ampel wieder auf Grün umsprang. Ein Piepton vom Beifahrersitz kündigte die Ankunft einer SMS an, was ein verträumtes Lächeln auf ihr Gesicht zauberte. Dass er so schnell antwortete zeigte ihr, dass auch er gerade lieber bei ihr wäre, als bei seiner Frau am Frühstückstisch. Sie angelte blind nach ihrem Handy und warf einen schnellen Blick auf das Display. Ich dich auch. Wäre jetzt viel lieber bei dir. Sie seuftze. Ja, das wäre ihr auch viel lieber. Doch während er heute Nachmittag mit seiner Frau zusammen seinem Sohn beim Fußballspielen anfeuern würde, würde sie zuhause sitzen. Alleine. Mit nichts anderem als einer kitschigen Low-Budget-Schnulze im Fernsehen und einer Schüssel Popcorn auf dem Schoss. Und vielleicht, wenn sie ganz viel Glück hatte, eine kurze heimlich getippte SMS von ihm. Auf Dauer konnte es so nicht weitergehen. Soviel wußten sie beide. Doch trotzdem war noch keiner von ihnen bereit, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Sie konnte sich einfach nicht von ihm trennen. Und er wollte seine Kinder nicht aufgeben, auch wenn er seine Frau schon lange nicht mehr liebte.


Siehst du? So ist ER wieder als Schatten durchs Bild gehuscht, ohne dass er wirklich in Erscheinung getreten ist, aber dennoch hat der Leser eine Menge über ihn erfahren. Und das alles nur durch eine SMS und die Gedanken des Hauptcharakters. Er muß also nicht wirklich zwingend im Bild auftauchen. Wie gesagt, du mußt nur deine Möglichkeit der Darstellung finden. Und vielleicht auch die holprige Szene mal einige Tage oder Wochen ignorieren, bevor du sie nochmal liest. Meistens klingt sie nach einer Weile gar nicht mehr so holprig, sondern nur in dem Moment, wo man gedanklich viel zu tief in der Szene drin steckt und als Autor mehr sieht, als man eigentlich schreiben will, und es deshalb als holprig empfindet. Mit der Zeit werden die Ecken und Kanten weicher und die Ränder der Szene werden leicht abgeblendet, sodass man nicht mehr so extrem viel von dem "sieht", was man in der Szene nicht mehr beschrieben hat. Ich hoffe, du verstehst, wie ich das meine.


Ja, ich verstehe das du meinst. Das Problem ist nur, dass - wie ich ja gesagt habe - die "verschleierte" Person mein Antagonist ist und die Person, mit der er eine Affäre hat, wird gleichzeitig von ihm dadurch manipuliert. Deswegen ist mir wichtig, dass man mitbekommt, wieso sie diese Dinge anschließend tun wird und was zwischen den beiden ist. Sie ist zwar nicht der Hauptcharaktere, hat aber einen wichtigen Einfluss auf meine Protagonistin.

Aber die Möglichkeiten, die du mir aufzeigst, finde ich gar nicht schlecht, denn im Grunde ist er irgendwie noch nicht so präsent, wie ich ihn gerne hätte. Dadurch kann ich seine Anwesenheit immer etwas deutlich machen. :)

Ich muss mir jetzt darüber noch ein bisschen den Kopf zerbrechen, wie ich das umsetzen werde. Ich glaube, dass ich das gut hinkriegen werde ...

Vielen, vielen Dank, du hast mir sehr geholfen! :D

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